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Stellungnahme der komba gewerkschaft hamburg zum Jahresbericht 2026 der dbb Bürgerbefragung Öffentlicher Dienst 2026

3. August 2026

Vertrauen zurückgewinnen heißt: den öffentlichen Dienst stärken

Die Befragung ist kein Misstrauensvotum gegen die Beschäftigten. Sie ist vielmehr ein Warnsignal an die politischen Verantwortlichen. Dort, wo Bürger die konkrete Arbeit des öffentlichen Dienstes unmittelbar erleben, wird diese vielfach positiv bewertet. Feuerwehr, Pflege, Polizei, Kinderbetreuung, Müllabfuhr und weitere Bereiche genießen hohes Vertrauen. Die Beschäftigten halten den Staat trotz Personalmangel, wachsender Aufgaben, komplizierter Verfahren und teilweise veralteter Technik handlungsfähig.

Der Vertrauensverlust richtet sich vor allem gegen fehlende politische Lösungen, unklare Zuständigkeiten, komplizierte Vorschriften, mangelhafte Digitalisierung und lange Bearbeitungszeiten. Diese Probleme können nicht den Beschäftigten angelastet werden. Sie sind überwiegend das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse bei Personalplanung, Organisation, Infrastruktur und Digitalisierung.

Besonders widersprüchlich ist, dass eine Mehrheit den öffentlichen Dienst für zu teuer hält, gleichzeitig aber schnellere Bearbeitung, bessere Erreichbarkeit, mehr digitale Angebote und leistungsfähigere staatliche Strukturen verlangt. Diese Erwartungen lassen sich nicht mit Stellenabbau, Arbeitszeitverlängerung oder einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen erfüllen.

Die Ergebnisse der dbb Bürgerbefragung Öffentlicher Dienst 2026 müssen ein Weckruf für die politisch Verantwortlichen sein. Nur noch 17 Prozent der Bürger trauen dem Staat zu, seine Aufgaben und Probleme bewältigen zu können. 79 Prozent erleben ihn dagegen als überfordert. Ein derartiger Vertrauensverlust gefährdet auf Dauer nicht nur die Akzeptanz staatlichen Handelns, sondern auch das Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen.

Für die komba gewerkschaft hamburg steht fest: Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sind nicht die Ursache dieser Entwicklung. Sie sind vielmehr diejenigen, die trotz Personalmangels, zunehmender Arbeitsverdichtung, komplizierter Vorschriften und unzureichender technischer Ausstattung jeden Tag dafür sorgen, dass der Staat weiterhin funktioniert.

Die Befragung zeigt diesen Unterschied sehr deutlich. Während die allgemeine Handlungsfähigkeit des Staates zunehmend kritisch bewertet wird, genießen viele Berufsgruppen des öffentlichen Dienstes weiterhin ein hohes Ansehen. Feuerwehrleute, Pflegekräfte, Polizisten, Erzieher, Beschäftigte der Stadtreinigung und viele weitere Berufsgruppen erfahren große Wertschätzung. Auch konkrete öffentliche Leistungen wie Straßenreinigung, Müllabfuhr, Bibliotheken und Museen werden ausgesprochen positiv bewertet.

Das ist ein starkes Zeichen für die Kolleginnen und Kollegen. Ihre tägliche Arbeit wird gesehen und anerkannt. Zugleich wird deutlich, dass die strukturellen Rahmenbedingungen nicht mehr mit den Anforderungen Schritt halten.

Wenn 86 Prozent weniger und verständlichere Vorschriften, 78 Prozent kürzere Bearbeitungszeiten und 72 Prozent mehr digitale Dienstleistungen fordern, dann ist die politische Botschaft eindeutig: Der öffentliche Dienst muss einfacher, moderner und leistungsfähiger werden. Das gelingt jedoch nicht durch immer neue Sparvorgaben oder pauschale Forderungen nach einem Personalabbau.

Wer kürzere Bearbeitungszeiten will, muss ausreichend Personal bereitstellen. Wer mehr digitale Dienstleistungen erwartet, muss in eine funktionierende IT, einheitliche Verfahren und qualifizierte Fachkräfte investieren. Wer Bürgernähe fordert, darf Dienststellen und persönliche Ansprechpartner nicht immer weiter reduzieren. Und wer staatliche Handlungsfähigkeit stärken will, muss den Beschäftigten attraktive Arbeitsbedingungen, konkurrenzfähige Einkommen und verlässliche berufliche Perspektiven bieten.

Die unzureichende Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen wird von 69 Prozent der Befragten als wesentliches Hindernis der Digitalisierung genannt. Auch Hamburg braucht deshalb verbindliche Standards, klar geregelte Zuständigkeiten und digitale Verfahren, die tatsächlich miteinander funktionieren. Insellösungen, Mehrfacherfassungen und nicht kompatible Systeme binden Arbeitskraft, die an anderer Stelle dringend benötigt wird.

Digitalisierung und künstliche Intelligenz können die Beschäftigten unterstützen und Verwaltungsabläufe vereinfachen. Sie dürfen jedoch nicht vorrangig als Instrument zum Personalabbau verstanden werden. Digitale Anwendungen müssen praxistauglich, sicher und gemeinsam mit den Beschäftigten und ihren Interessenvertretungen eingeführt werden. Entscheidungen mit erheblichen Auswirkungen auf Menschen müssen nachvollziehbar bleiben und dürfen nicht vollständig automatisierten Systemen überlassen werden.

Kritisch bewertet die komba gewerkschaft hamburg auch den scheinbaren Widerspruch bei den Kosten des öffentlichen Dienstes. Einerseits meinen 54 Prozent, der öffentliche Dienst koste zu viel Geld. Andererseits erwartet die große Mehrheit schnellere, digitalere und leistungsfähigere Dienstleistungen. Beides gleichzeitig ist nicht zum Nulltarif zu haben. Ein funktionierender Staat kostet Geld. Ein nicht funktionierender Staat kostet die Gesellschaft jedoch wesentlich mehr – wirtschaftlich, sozial und beim Vertrauen in die Demokratie.

Für Hamburg bedeutet das: Die Freie und Hansestadt muss in ihre Beschäftigten, ihre Verwaltung, ihre Infrastruktur und ihre digitale Zukunft investieren. Weitere Arbeitszeitverlängerungen, der Wegfall von Entlastungsmöglichkeiten oder eine zusätzliche Verdichtung der Arbeit wären die falschen Antworten. Sie würden die bestehenden Probleme verschärfen und die Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber weiter schwächen.

Die komba gewerkschaft hamburg fordert daher:

– eine langfristige und bedarfsgerechte Personalplanung,

– eine deutliche Beschleunigung der Nachwuchsgewinnung und von Stellenbesetzungsverfahren,

– konkurrenzfähige Einkommen und gute berufliche Entwicklungsmöglichkeiten,

– einen konsequenten Abbau unnötiger Vorschriften und Doppelstrukturen,

– praxistaugliche und einheitliche digitale Verfahren,

– ausreichende Investitionen in IT, Arbeitsplätze und Fortbildung,

– die verbindliche Beteiligung der Beschäftigten und ihrer Interessenvertretungen an Veränderungsprozessen,

– den Erhalt persönlicher und barrierefreier Zugänge zu öffentlichen Dienstleistungen,

– eine stärkere politische Rückendeckung und Wertschätzung für die Beschäftigten.

„Die Bürgerbefragung zeigt: Nicht die Beschäftigten haben versagt, sondern vielerorts die Strukturen. Unsere Kolleginnen und Kollegen halten den öffentlichen Dienst unter immer schwierigeren Bedingungen am Laufen. Wer Vertrauen in den Staat zurückgewinnen will, muss deshalb diejenigen stärken, die ihn jeden Tag tragen. Ein leistungsfähiger öffentlicher Dienst braucht ausreichend Personal, moderne Technik, weniger Bürokratie und gute Arbeitsbedingungen“, erklärt Andy Metzlaff, Landesgeschäftsführer der komba gewerkschaft hamburg.

Die Wiederherstellung staatlicher Handlungsfähigkeit ist eine zentrale Zukunftsaufgabe. Sie darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Ein starker, moderner und bürgernaher öffentlicher Dienst ist keine Belastung, sondern die Grundlage für sozialen Zusammenhalt, wirtschaftliche Stabilität und eine funktionierende Demokratie.

Hamburg, 03.08.2026                                                   komba gewerkschaft hamburg

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