07.01.2020 / dbb beamtenbund und tarifunion

dbb präsentiert Werkstattpapier - Öffentlicher Dienst der Zukunft: Agil, vielfältig und digital

© Marco Urban / dbb
© Marco Urban / dbb

Der öffentliche Dienst der Zukunft muss agil, vielfältig und digital sein. Bei seiner Jahrestagung in Köln hat der dbb ein Werkstattpapier zur Modernisierung des Staatsdienstes vorgelegt und einen Dialogprozess dazu gestartet.

„Nur ein personell wie technisch gut und vielfältig aufgestellter, modern agierender und beweglicher öffentlicher Dienst wird die Herausforderungen der Zukunft meistern und seine Arbeit mit der Rückendeckung einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz leisten können“, erklärte der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach bei der Jahrestagung des gewerkschaftlichen Dachverbands am 7. Januar 2020 in Köln anlässlich der Präsentation der Ideenskizze mit dem Titel „Aufbruch – Der öffentliche Dienst der Zukunft“. Nach Vorstellung des dbb ist der öffentliche Dienst der Zukunft

 

  • mobil, agil und vielfältig,
  • bürgernah und leistungsstark – analog wie digital,
  • ein attraktiver Arbeitsplatz,
  • top-ausgestattet und top-qualifiziert – jederzeit,
  • geschätzt und wertschätzend gegenüber seinen Beschäftigten und
  • mitbestimmt und mitgestaltet von starken Personalvertretungen.

„Akzeptanz wird der öffentliche Dienst nur dann erreichen können, wenn er den Staat als ‚Spiegel der Gesellschaft‘ repräsentiert mit einer vielfältigen Beschäftigtenstruktur, digitalen Dienstleistungen und einer wertschätzenden respektvollen Teamkultur“, machte dbb Chef Silberbach deutlich. Auch auf dem Arbeitsmarkt werde der öffentliche Dienst als größter Arbeitgeber Deutschlands im Wettbewerb um die Leistungsträger von morgen nur dann punkten können, wenn er ins Profil der Berufseinsteiger von heute passe: agil, vielfältig, digital. Auf dem Weg dorthin sei der Staatsdienst allerdings noch kaum aus den Startlöchern gekommen, kritisierte Silberbach, insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung der Verwaltung: „Die Ausgangslage ist weiterhin überhaupt nicht prickelnd. Erneut hat der vom Nationalen Normenkontrollrat herausgegebene Monitor ‚Digitale Verwaltung‘ Deutschland nur auf einen der hinteren Ränge im EU-weiten Vergleich verwiesen. Ob die Fahrzeuganmeldung per Klick oder Sozialleistungen via Onlineformular – die Menschen beklagen immer wieder, dass etliche Bürgerservices noch immer nicht digital angeboten werden. Eigentlich sollen bis zum Jahr 2022 zahlreiche öffentliche Dienstleistungen auf den Plattformen der Verwaltungen zur Verfügung stehen. Aber Verwaltungs- und Digitalisierungsexperten halten es für unrealistisch, dass binnen des vorgegebenen Zeitraums tatsächlich alle 575 Verwaltungsdienstleistungen online angeboten werden“, warnte Silberbach und kritisierte das „eklatante Umsetzungsproblem“.

Entscheidend für ein Gelingen der digitalen Transformation sind aus Sicht des dbb die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes selbst: „Sie tragen und gestalten den Modernisierungsprozess, deswegen müssen sie von Beginn an einbezogen, mitgenommen und fit für die neuen Aufgaben gemacht werden“, so Silberbach. Vor diesem Hintergrund begrüßte er, dass der Bund bereit für den Abschluss eines Digitalisierungstarifvertrags sei. „Der dbb versteht sich mit Blick auf den Veränderungsprozess als gesellschaftliche Kraft, die den politischen Diskurs vorantreibt und hierbei alle Akteurinnen und Akteure mitnimmt“, erläuterte der dbb Chef. Die dbb Ideenskizze sei eine Einladung an alle zum offenen Dialog über „unseren öffentlichen Dienst. Seine Zukunft geht alle an, weil er unser aller Zukunft ganz entscheidend prägen wird“, betonte Silberbach. „Der Weg, der vor uns liegt, kann nur gemeinsam beschritten werden: von Bürgerinnen und Bürgern, Beschäftigten, von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Mit ihnen allen möchten wir darüber sprechen, wie der öffentliche Dienst aufgestellt sein muss, um fit für alle Aufgaben zu sein, die er heute und in Zukunft zu erfüllen hat.“

Die dbb Ideenskizze thematisiert in drei großen Kapiteln die Themenfelder „Agilität, Vielfalt und Digitalisierung“ unter verschiedenen Aspekten. Zur Sprache kommen beispielsweise agile Arbeits- und Organisationsmethoden, flexible Arbeitszeiten, Teilhabe, Aus- und Weiterbildung sowie ethische und rechtliche Perspektiven. Erweitert werden die Darstellungen jeweils um konkrete Fragestellungen, zu denen Beschäftigte und Arbeitgeber/Dienstherrn ins Gespräch kommen sollten. Auch gibt es Handlungsanregungen für Betriebs-/Personalräte. Auch die Beschäftigten selbst kommen zu Wort: In zahlreichen Testimonials schildern sie ihre Ideen, Bedürfnisse, aber ebenso Sorgen in Bezug auf die Zukunft ihrer Arbeit. Auf einer Online-Sonderseite zum Thema können Interessierte die dbb Ideenskizze lesen und Meinungen, Wünsche, Anregungen und Vorschläge abgeben.

Die Zukunft des öffentlichen Dienstes stand bei der dbb Jahrestagung in Köln auch im Fokus einer Podiumsdiskussion – insbesondere beschäftigte die Runde der Aspekt der Digitalisierung.


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